Kräuterpulver aus dem Ausland


Gefährliche Beimengungen entdeckt
Kräuterpulver aus dem Ausland

Im Internet und auf dem freien Markt boomt das Geschäft mit Wunderpulvern auf Kräuterbasis. Häufig entpuppen sich die vermeintlich harmlosen Naturprodukte als ernsthaftes Gesundheitsrisiko. Dies zeigt das Beispiel eines pflanzlichen Rheumamittels aus Vietnam. Die Chemikerin Ulrike Holzgrabe von der Universität Würzburg hat es vor kurzem als gefährlichen Arzneimittelcocktail enttarnt.

Rätselhaftes Rheumapulver aus Ho-Chi-Minh-Stadt

Pflanzliche Arzneimittel gelten als natürlich und nebenwirkungsarm. Besonders chronisch Kranke, die ihren Körper nicht dauerhaft mit Arzneimitteln belasten wollen, hoffen auf diese milde Alternative. Der Fall einer Rheumapatientin zeigt, wie gefährlich dieses Vertrauen sein kann. Von einem vietnamesischen Heiler aus Ho-Chi-Minh-Stadt bezog sie jahrelang ein vermeintlich pflanzliches Pulver gegen ihre Schmerzen. Das Pulver kostete sie nur wenige Dollar und war über kleine Papierbriefchen in Tagesportionen abgeteilt. Neugierig geworden, ließ sie das Medikament schließlich bei der Chemikerin Ulrike Holzgrabe an der Universität Würzburg untersuchen.

Überraschendes Analyse-Ergebnis

Frau Holzgrabe betrachtete den Inhalt eines Briefchens unter dem Mikroskop. Das Pulver war jedoch so fein zermahlen, dass außer Zimtrinde keine weiteren Bestandteile zum Vorschein traten. Also analysierte die Chemikerin die Bestandteile im Massenspektrometer. Dabei stieß sie auf die beiden Schmerzmittel Paracetamol und Indometacin sowie die Antibiotika Sulfamethoxazol und Trimetoprim. Mit Ausnahme von Trimetoprim, das mengenmäßig nicht nachweisbar war, lagen sämtliche Arzneimittel innerhalb des gängigen Normdosisbereichs. Das bedeutet, sie waren in einer ebenso hohen Menge vorhanden, wie sie auch ein Schulmediziner verschrieben hätte.

Gefährlicher Arzneimittelcocktail

Die Zusammensetzung des Rheumapulvers stuft Frau Holzgrabe gleich aus mehreren Gründen als bedenklich ein. Zum einen sind außer Paracetamol alle enthaltenen Medikamente verschreibungspflichtig. Das vermeintliche Kräuterpräparat ist also keinesfalls harmlos. Eine „selbstverordnete“ zusätzliche Tagesration würde bereits zu einer deutlichen Überdosierung führen. Doch selbst in der richtigen Menge eingenommen ergibt die Arzneimittelkombination keinen Sinn. Paracetamol wirkt nicht gegen Entzündungen und ist daher für Rheuma ungeeignet. Die Antibiotika-Kombination wiederum darf nicht über längere Zeit eingenommen werden, da sie sonst Resistenzen erzeugt. Lediglich das Schmerzmittel Indometacin eignet sich für eine Rheumatherapie. Allerdings gilt es nach neueren Standards nicht mehr als Mittel der ersten Wahl.

Leider kein Einzelfall

In ihrem Berufsalltag stößt Frau Holzgrabe häufiger auf bedenkliche Wunderpulver dieser Art. Besonders Präparate mit dem Beinamen „Herbal Viagra“ sind darunter. Auch hier vermitteln nicht der pflanzliche Inhaltsstoffe die tatsächliche Wirkung, sondern Beimengungen verschreibungspflichtiger „chemischer Arzneimittel“ wie Sildenafil, Tadalafil oder Vardenafil.

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